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Schon gewonnen: Anderswo – Ester Amramis preisgekrönter deutscher Berlinale-Spielfilm ist nun auch für den „Si Star 2016“ nominiert

© J Praus
Eine Szene in einem Auto in dem Film "Anderswo" der Regisseurin Ester Amrami. © J Praus

Berlin, Deutschland (Jüdische Welt). „Anderswo“ von Ester Amrami ist ein deutscher Spielfilm, der auf der 64. Berlinale im Erscheinungsjahr 2014 uraufgeführt wurde. Nicht in der Sektion „Panorama“, sondern unter der Flagge „Perspektive deutsches Kino“. Die junge sprachgewandte Frau Amrami gewann gleich einen Preis: den mit 5000 Euro dotierten Preis des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) „Dialogue en perspective“. 2015 erhielt ihn „Ein idealer Ort“ von Anatol Schuster. Die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Berlin laufen noch.

Sie sind auch immer eine Gelegenheit, neue Projekte zu präsentieren, wie hier unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer.

Während der Berlinale 2016 wird erstmals der Filmpreis „SI-STAR“ an eine Regisseurin für ihre herausragende Regiearbeit verliehen. Gestiftet wird der Preis vom Frauennetzwerk Soroptimist International, Club Mainz, und weiteren rheinland-pfälzischen SI-Clubs. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Da der „Award“ brandneu ist, ist auch das Procedere noch unklar. Sicher ist: Die Jury besteht aus Frauen, darunter die Journalistinnen Bianca Charamsa, Dr. Susanne Becker und Claudia Tronnier. Sicher ist auch, dass der Preis am 14. Februar in der Vertretung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz beim Bund vergeben wird. Unklar ist noch, ob er in mehreren Kategorien vergeben wird oder vergeben werden kann und ob Dokumentar- und Spielfilme gleichberechtigt sind. Rechnerisch wäre ja auch eine Preisgeldaufteilung unter beiden Formen denkbar. Bei Olympischen Spielen gibt es normalerweise Gold, Silber und Bronze. Sind zwei gleich schnell erhalten sie eben beide Gold und der dritte Platz wird bronziert. Tritt der Fall ein, dass dieser im Messrahmen mit gleichen Leistungen auftaucht, wird die Bronzemedaille doppelt vergeben.

Die Filmbranche zieht sich in solchen Fällen gern mit eine „Lobenden Erwähnung“ aus der Affäre, neben der Berlinale auch das kürzlich abgeschlossene Umweltfilmfestival „Greenme“ unter der Schirmherrschaft von Auma Obama.

Nominiert für den SI-STAR 2016 sind sieben Regisseurinnen mit vier Spielfilmen und drei Dokumentarfilmen:

Kerstin Ahlrich mit „Taxi“ (BRD 2015)
Ester Amrami mit „Anderswo“ (BRD 2014)
Maike Conway mit „Corinnes Geheimnis“ (BRD 2014/15)
Theresa von Eltz mit „4 Könige“ (BRD 2015)
Sylke Enders mit „Schönefeld Boulevard“ (BRD 2014)
Carolin Genreith mit „Das Golddorf“ (BRD 2015)
Marie Wilke mit „Staatsdiener“ (BRD 2015)

Im einzelnen geht es in „Anderswo“ um eine Geschichte, die die deutsch-israelische Freundschaft humorvoll bereichert: Vor etlichen Jahren hat Noa Israel verlassen und ist nach Berlin gezogen. Damals gab sie dem Fernweh nach, genoss den frischen Wind im Anderswo und studierte. Doch seit einiger Zeit arbeitet etwas in ihr. Sie fühlt sich unverstanden und isoliert. Als man ihr dann auch noch das Stipendium für ihr großes Projekt eines Wörterbuchs unübersetzbarer Wörter verweigert und ihr Freund Jörg sich für ein Engagement in Stuttgart bewirbt, fliegt sie spontan nach Hause, nach Israel. Mit der Sonne, der Familie, der Muttersprache. Noa ist wild entschlossen, dass ihr dieser Besuch so richtig gut tun soll. Doch auch in Israel ist Alltag und der holt sie schneller ein als gewünscht. Konflikte von früher kochen hoch und neue kommen hinzu. Die alte Heimat fühlt sich auf einmal genauso an wie die Stadt, der sie entflohen ist. Dann der Paukenschlag: ihr Jörg taucht unerwartet und -angekündigt in Israel auf – auch das noch! Und alles wäre es des Guten noch nicht genug ausgerechnet am nationalen Gedenktag. Die Sirenen heulen, alle verharren in der Schweigeminute, es sei denn, man weiß nicht, wie man sich verhalten soll…. Noas säuberlich voneinander getrennte Lebenswelten prallen frontal aufeinander. Ein komisches Drama über Menschen, die versuchen, mit sich selbst und den anderen ins Reine zu kommen. Hier, anderswo, überall. Diese Universalität macht die Story zeitlos und empfehlenswert. Mehr noch überzeugt der Humor und die große Menschlichkeit, ohne um die deutsche Geschichte herumzueiern. Tabubrüche ja, aber sie sind kein Beinbruch. Auch in Israel wohnen Menschen, sogar in Deutschland. Wer das noch nicht gewusst hatte, dem wird es spätestens hier klar.

In den Hauptrollen Neta Riskin als Israelin Noa, Golo Euler als ihr deutscher Freund, ein Musiker, mit dem sie in der Hauptstadt lebt, die wunderbare und ganz herausragend spielende Hana Laslo als ihre Mutter Rachel, sowie Dovaleh Reiser als ihr Vater. In weiteren Rollen: Hana Rieber und Romi Abulafia.

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