Sie sind hier:  / Kultur / The Perfect Guy – Ein nicht perfekter Film

The Perfect Guy – Ein nicht perfekter Film

© 2015 Sony Pictures Releasing GmbH
The Perfect Guy (Poster zum Film). © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Berlin, Deutschland (Jüdische Welt). David M. Rosenthal führte Regie in einem Streifen, der am 26. November 2015 in die deutschen Kinos kam. Also da ist diese perfekt aussehende Frau Mitte dreißig, die in einem großen, teuren Haus an der Westküste wohnt, einen großen, amerikanischen Wagen fährt und als Lobbyistin einen guten Job hat, mit einem eigenen Büro einschließlich Stadtblick und Vorzimmerdame. Außerdem hat sie diesen Freund, mit dem sie seit zwei Jahren zusammen ist. Aber dennoch ist sie nicht glücklich. Denn fast so hässlich wie das Weckerklingeln morgens um sechs – der Wecker passt übrigens nicht zu Haus und Auto – meldet sich urplötzlich die biologische Uhr. „Ich bin 36, und ich möchte Kinder, solange ich noch Spaß daran haben kann.“ Das Drehbuch sieht ihren Partner als total kinderlieb, aber er ist eben noch nicht bereit. Als sie sagt, sie müssten reden, verweist er auf ein voriges Gespräch, in dem beide übereinkamen, das Thema nicht mehr anzuschneiden. Und einen Antrag will er ihr nicht unter Druck machen. Warum der kinderliebe Typ zwar die Frau, aber kurzfristig keinen Nachwuchs will, dafür gibt es fadenscheinige Gründe von unglücklichen Beispielen aus seiner Familie. Also kommt es gleich zur Trennung. In diesem Moment ist zufällig der andere Typ, der perfekte Kerl, zur Stelle. Geduldig, verständig, charmant, beschützend, mit einem gutdotierten Job, wo er gegen Firmenspionage vorgeht und Unternehmen mit Netzsicherheit versorgt. Er fährt einen schwarzen Oldtimer und mit dem gleich zum 4. Juli zu ihren Eltern, als sie kurzfristig fragt. Er ist zehn Schritte voraus und gefällt ihren Freundinnen. Aber er rastet an einer Tankstelle aus, als ein etwas runtergekommener Typ seine Freundin anspricht, während er bezahlt.

Dieser Ausdruck in seinen Augen, diese Gewaltexplosion – das kann sie nicht vertragen, wieder ist es aus. Er aber akzeptiert das nicht. Damit beginnt der perfekte Alptraum.

Das alles könnte ja vielleicht eine gute Sex-and-crime-Story sein, wenn da nicht so vieles übermäßig klischeehaft und unglaubwürdig wäre. Die Trennung von ihrem Freund zu Beginn des Films. Das Nichtloslassenkönnen des ‚perfekten Typen‘, der doch mit seinem Aussehen, seinem Einkommen und seiner Art fast jede haben könnte, im Handumdrehen. Die Dummheiten, die der ‚perfect guy‘ im Verlaufe des kriminellen Stalkens macht, obwohl der Kommissar herausfindet, dass der Typ einen hohen IQ hat.

Zudem nerven die oft gesehenen Szenen: Gefahr im eigenen Haus, eine schöne Frau mit Stöckelschuhen „allein“ im Parkhaus; das alles immer, damit man auch gleich weiß, dass man sich hier fürchten muss, mit entsprechender Musik untermalt.
Die Produktplatzierung hochwertiger Artikel und Autos einschließlich der Tatsache, dass die Waffenindustrie, nicht die Polizei oder das Rechtssystem, die Lösung des lebensbedrohlichen Problems bietet, fällt sogar nur am Rande ins Gewicht. So etwas ist man bei einem guten Krimi oder Actionfilm gewohnt und gewillt, hinzunehmen.
Wenn dann auch noch manche Szenen so wirken, als seien sie bei anderen Horrorfilmen geklaut, gehen endgültig die letzten Vorschusssympathien verloren. Der Hauptgrund, diesen Film zu gucken, bleibt so die Hauptdarstellerin Sanaa Lathan.

David M. Rosenthal drehte unter anderem „A Single Shot – Tödlicher Fehler“, der 2013 auf der Berlinale Weltpremiere feierte, „Janie Jones“ und die romantische Komödie „Falling Up“. Seinen ersten Film (mit John Cho und Seth Meyers) nannte er clevererweise „See This Movie“. Seit 2000 veröffentlichte er auch Gedichte.

Hinterlasse eine Nachricht

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert. ( Pflichtfeld )