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Das 29. Internationale Filmfestival Braunschweig mit neuer Filmreihe und 30 Premieren, darunter Yared Zelekes Spielfilm „Ephraim und das Lamm“

© Neue Visionen Filmverleih
© Neue Visionen Filmverleih

Berlin, Deutschland (Jüdische Welt). Das diesjährige 29. Internationale Filmfestival Braunschweig wählte Stargast Carmen Maura für den Award „Die Europa“ aus; der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde von Volkswagen Financial Services gestiftet. Dieses Jahr wartete das niedersächsische Festival mit einem Feuerwerk an neuen Programmreihen auf, darunter „BEYOND: LOVE“, „Neues internationales Kino“ und „Green Horizons“ zu Themen wie Klimawandel und Nahrungsmittelproduktion.

Besonders interessant war eine Reihe mit Filmen aus Israel. Aus Anlass des Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 50 Jahren zeigte das Festival in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Braunschweig das Programm „Annäherungen – Abgrenzungen“. Es bestand aus zehn israelischen Filmen von Ephraim Kishons „Sallah“ (1963) bis zur Satire „Big Bad Wolves“ von Navot Papushado und Aharon Keshales (2013). Das Duo hatte für den Debütfilm „Rabies“ 2011 auf dem portugiesischen Fantasporto Festival den Critics‘ Award erhalten.

Als Special präsentierte das Braunschweiger Filmfest in einer Deutschlandpremiere die erste Staffel der israelischen Erfolgsserie „Fauda“ über eine israelische Antiterroreinheit. Israelische Künstler sind dem Festival nicht fremd: 2012 erlebte Ilona Rothins Dokumentation „Holocaust light – gibt es nicht!“ über die israelische Künstlerin und Holocaustüberlebende Sara Atzmon ihre Weltpremiere.

Insgesamt zeigte das Filmfestival 110 Langfilme mit 30 Welt-, Europa- bzw. Deutschlandpremieren.

Darunter den Spielfilm „Ephraim und das Lamm“ aus Äthiopien, der seine Deutschlandpremiere in Anwesenheit der Regisseurs Yared Zeleke feierte. Der Main-Cast umfasst – abgesehen vom Hauptdarsteller – Indris Mohamed als Abraham, Surafel Teka als Solomon, die fabelhafte Kidist Siyum in der Rolle der Tsion, Welela Assefa als Emama, Rahel Teshome als Azeb, Bitania Aberaham in der Rolle der Mimi und Rohama Demise als Yasmin. Es ist schön zu sehen, wie sich die uralten Namen, wenn auch teilweise in etwas abgewandelter Schreibweise, erhalten haben; Abraham, Jasmin, Rachel, Zion, Salomon.

Die Figur Ephraim (Rediat Amare) ist ein junger Jude, der bei Verwandten fern der Heimat auf dem Land untergekommen ist. Anderswo würde man ihn vermutlich einen Flüchtling nennen. Das Leben dort ist traditionell und bildungsfern bzw. -feindlich und das Überleben durch Ausbleiben der Regens gefährdet. Trotzdem oder deswegen steht man neuen Methoden, die Probleme lösen könnten, nicht nur skeptisch, sondern abweisend gegenüber. Nicht nur Regenmacher-Techniken wie den auf Wilhelm Reichs Orgon-Akkumulatoren beruhenden, die sich in Eritrea mit Patrick DeMeo über mehrere Jahre bewährt haben, sondern auch gängigeren Methoden.

Erschwert wird das Ganze noch durch Aberglaube und häusliche Gewalt, von Gender issues nicht zu schweigen. Die junge Tsion (Kidist Siyum), die nicht nur unter den Verhältnissen leidet, sondern ihre Jugend nutzen will, einen Freund und die Stadt sucht, scheint in der Landflucht eine Lösung zu sehen. Die Ungeduld der ohnmächtigen Jugend und die Unbeweglichkeit derer, die die Macht gerade in den Händen halten ist ein universaler Ansatz. Die Wanderung in die Städte wegen Dürren, Strukturwandel und Einflüssen der Moderne ein anderer.

Der Spielfilm „Ephraim und das Lamm“ (Originaltitel: „Lamb“) startete bundesweit am 26. November 2015.

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