„Dat Unjeheuer“, Drusen und Fußball – Es war einmal bei Tiberias am 22. Juni 1980

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Blick auf den See Genezareth (hebräisch Jam Kinneret) bei Tiberias. Quelle: Pixabay

Tiberias, Israel (Jüdische Welt). ‚Was du heute erlebst, siehst du wahrscheinlich zum ersten und letzen Mal in deinem Leben’, erklären mir meine israelischen Freunde. Unser Ausflug hat uns von Tel Aviv über Jerusalem quer durch die West Banks bis zum See Genezareth geführt. Zur Sicherheit hatten wir, wie in Israel üblich, eine beim Nachbarn ausgeborgte Uzi Maschinenpistole im Gepäck – man weiß ja nie. In den Bergen, hoch über Tiberias, liegt unser Ziel: ein kleines Drusendorf.

Die Drusen, eine kleine religiöse Minderheit im Grenzgebiet zwischen Israel, dem Libanon und Syrien leben seit jeher zurückgezogen und suchen keinen Kontakt zu anderen Menschen und religiösen Gruppen in den jeweiligen Staaten, sind aber loyal zu den Staaten, in denen sie leben.

Wir sind zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. Da der Chef der Drusenfamilie und das Familienoberhaupt meiner israelischen Freunde alte Jagdgefährten sind, sind wir herzlich willkommen. Das Zimmer, in dem man sich trifft ist typisch arabisch eingerichtet. Bänke, Stühle und Sessel alle mit dem Rücken zur Wand, kleine Beistelltischchen. Die Zimmermitte bleibt frei.

Zuerst aber gibt es etwas zu Essen. Es wird üppig aufgetragen. Lamm, Gemüse, Reis, alles kräftig gewürzt und mit viel Öl und, aus Rücksichtnahme auf die jüdischen Gäste, sogar kosher zubereitet.

Die Hochzeitsgesellschaft feiert getrennt. In der Küche und den Hinterzimmern die Frauen und Mädchen, die es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, ab und zu mit einem fröhlichen Lachen ins Zimmer zu kommen. Ihre Hauptaufgabe ist es heute, die Gäste zu bewirten. In der Runde der Männer sitzt aber auch die Braut, geschmückt wie eine Prinzessin aus 1001 Nacht, wunderschön, aber still. Wird sie angesprochen antwortet sie mit ja oder nein oder auch nur mit einer Kopfbewegung. Das Gespräch führen die Männer, zum Beispiel über Fußball und besonders über den deutschen Fußball wissen sie fast alles. Kein Wunder, denn der Höhepunkt des Abends steht kurz bevor: Die Live-Übertragung des Endspiels der Fußball Europameisterschaft zwischen Deutschland und Belgien.

P.S.: Deutschland hat das Spiel 2:1 gewonnen. Beide Tore erzielte Horst Hrubesch, „dat Unjeheuer“.

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