Kommentar: BDS oder Ein Schuster, ein Boykott und ein Aufklärer

Ein BDS-Banner. Quelle BDS-Kampagne.de

Berlin, Deutschland (Jüdische Welt). Die DTS-Nachrichtenagentur (18.7.2022) teilt mit, daß Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland „die Verharmlosung der BDS-Bewegung im deutschen Kulturbetrieb“ kritisiere und wird für einen Beitrag in „Bild“ (18.7.2022), in der Schuster unter dem Titel „Documenta-Skandal – Zentralrat der Juden erhöht den Druck auf Claudia Roth“ wie folgt zitiert wird: „Die Stürmer-Karikaturen auf der Documenta und der damit verbundene Antisemitismus-Skandal auf der Documenta ist leider nur die Spitze des Eisbergs.“

Schuster weiter: „Bei der documenta gipfelte, was wir leider seit Jahren in Teilen des deutschen Kulturbetriebs beobachten… BDS wird gezielt verharmlost und als legitime Protest-Bewegung dargestellt. Dabei ist BDS eine klar antisemitische Ideologie.“

Filipp Piatov teilt ferner mit, daß BDS „sich gegen Israel“ richte. Außerdem meint er, daß die „Israel-Hasser … alles boykottieren“ wollen würden, „was aus dem jüdischen Staat“ komme. Er listet „Waren, Wissenschaftler, Künstler“ auf.

Uri Avnery schrieb unter der Überschrift „BDS – Der neue Feind“ im WELTEXPRESS (16.6.20215): „BDS  ist eher eine symbolische Geste als eine wirkliche wirtschaftliche Waffe. Aber wer zählt nach?“ Er teilte mit, daß die Mitglieder der „Friedensbewegung Gush Shalom“ überlegen würden, „wie man die Ausbreitung der Siedlungen anhalten könne – von denen jede eine Landmine auf dem Weg zum Frieden“ sei. Avnery wörtlich: „Der Hauptgrund für den Siedlungsbau ist, die Zwei-Staaten-Lösung zu verhindern – die einzige Friedenslösung, die es gibt.“

Und weiter: „Unsere Untersuchungen machten eine große Runde zu den Siedlungen und registrierten die Unternehmungen/Firmen, die von den Werbemaßnahmen der Regierung in eine Falle gelockt wurden, um Einkaufsmöglichkeiten jenseits der grünen Linie zu eröffnen. Wir veröffentlichten die Liste und ermutigten die Kunden, diese Produkte nicht einzukaufen.

Ein Boykott ist ein demokratisches Mittel zu protestieren. Es geschieht ohne Gewalt. Jede Person kann dies privat ausprobieren, ohne sich einer Gruppe anzuschließen oder sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Unser Hauptziel war es, dass die israelische Öffentlichkeit klar zwischen israelischen Waren und denen aus den Siedlungen in den besetzten Gebieten unterscheiden könne. Im März 1997 hielten wir eine Pressekonferenz, um die Kampagne anzukündigen. Es war ein einmaliges Ereignis. Ich hatte schon Pressekonferenzen abgehalten, die voller Journalisten waren – z.B. nach meinem ersten Treffen mit Yassir Arafat im belagerten West-Beirut. Ich hatte Pressekonferenzen mit wenigen Besuchern gehalten. Aber diese hier war wirklich besonders: kein einziger israelischer Journalist  zeigte sich.

Doch die Idee verbreitete sich. Ich weiß nicht, wie viele tausend Israelis die Produkte der Siedlungen im Augenblick boykottieren.“

Daß Filipp Piatov indirekt Uri Avnery, der mit der Waffe in der Hand für den Staat Israel kämpfte, zu einem „Israel-Hasser“ erklärt, vermutlich ohne das zu ahnen, das läßt im Arendtschen Verständnis auch diese Frage, ob er ein Spinner und Trottel sei, zu.

Avnery hielt auch in seinem Beitrag „Die große BDS-Debatte“ (WELTEXPRESS, 12.3.2016) Boykott für „ein legitimes Mittel eines politischen Kampfes“ sowie „ein fundamentales Menschenrecht“. Weiter heißt es: „Jeder ist berechtigt zu kaufen oder nicht zu kaufen, was er oder sie wünschen. Jeder ist berechtigt, andere zu bitten, eine gewisse Ware zu kaufen oder nicht zu kaufen, egal aus welchem Grund.Millionen von Israelis boykottieren Läden und Restaurants, die nicht „kosher“ sind. Sie glauben daran, dass Gott ihnen das sagte. Da ich ein strikter Atheist bin, folgte ich nie diesem Gebot. Aber ich respektiere die Haltung der Religiösen…

Der erste Boykott gegen die Besatzung wurde von Gush Shalom proklamiert, der israelischen Friedensorganisation, zu der ich gehöre. Das war lange bevor BDS entstand. Unser Aufruf wandte sich an die israelische Öffentlichkeit. Wir riefen zum Boykott der Waren aus den Siedlungen in der Westbank, des Gazastreifens und der Golanhöhen auf. Um dies einfacher zu machen, veröffentlichten wir eine Liste all der Betriebe, die das betraf.“

Wenn Uri Avnery noch leben würde, dann würde er einen Mann wie Josef Schuster mit seinem Geschwätz oder Geschmiere (siehe oben) vermutlich auch wie einen Spinner und Trottel dastehen lassen. Beachtlich, daß Schuster immer wieder zum intellektuellen Nullpunkt tendiert.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Theobald Taube wurde im WELTEXPRESS am 18.7.2022 erstveröffentlicht.

Lesen Sie die Beiträge

von Uri Avnery im WELTEXPRESS.

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