Ron Prosor, Israels neuer Botschafter in Berlin: Sein Großvater war Offizier der Reichswehr

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Ron Prosor (Archivbild 21.5.2012). Foto: Dannynis, CC BY-SA 3.0

Berlin, Deutschland (Jüdische Welt). Auf eine denkwürdige deutsche Biografie kann Ron Prosor verweisen, der neue Botschafter Israels in Berlin. Denn sein Großvater, Bertold Proskauer, war Offizier der Reichswehr, also der Streitkräfte der Weimarer Republik. Aber nicht allein diese Tatsache verdient besondere Beachtung – es ist vielmehr die Einstellung dieses Großvaters zu Deutschland, dem er als jüdischer Offizier in der Weimarer Republik die Treue geschworen hatte.

So wollte er partout das Deutschland des Jahres 1933 nicht verlassen, obwohl sich das Schicksal deutlich abzeichnete, das die Nazis den Bürgern jüdischen Glaubens zugedacht hatten. Doch seine Frau erwies sich als weitsichtiger und setzte durch, dass er seinen Dienst quittierte und er mit ihr nach Palästina emigrierte, dem heutigen Israel. Dort weigerte er sich lange, seinen deutschen Pass abzugeben, zudem lehnte er es ab, auf seine Muttersprache zu verzichten. Geradezu unglaublich erschien dies – so dargestellt von dem in Israel ansässigen deutschen Journalisten Ulrich W. Sahm: „Nach der Niederlage der Nazis weigerte sich der alte Proskauer zunächst auch, die Berichte über die Shoah zu glauben. Erst die Filmaufnahmen aus den KZs überzeugten ihn“.

Sein Enkel Ron sollte, wenn er auf seinem Botschaftersessel in Berlin richtig angekommen ist, mehr über diesen jüdischen deutschen Patrioten erzählen – so er mehr Details weiß.

Botschafter Ron Prosor (63) blickt auf eine Karriere als Militär und Diplomat zurück: Er gehe „begeistert“ nach Berlin, ließ er verlauten. Deutschland ist ihm bestens bekannt: Die Wiedervereinigung erlebte er als israelischer Diplomat in Bonn, zuvor war er der erste israelische Diplomat, der Kontakt zu der in Auflösung befindlichen DDR aufnahm. Er hat auch internationale Erfahrung, denn er war der 16. israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, wo er am 18. Juni 2012 zum Vizepräsidenten der Generalversammlung gewählt worden war.

Geboren wurde er am 11. Oktober 1958 im israelischen Kfar Saba. In Israels Armee endete seine Karriere als Major. Danach studierte er Politikwissenschaft und ging in den diplomatischen Dienst seines Landes. Er wurde als Konsul nach Washington versetzt und anschließend nach Jerusalem zurückgeholt, um die Generaldirektion des Außenministeriums zu übernehmen.

Und jetzt, nach drei Jahrzehnten im Auswärtigen Dienst, wieder Deutschland – mit dieser Biografie!

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